Wir haben bereits gelernt, dass ein ETF in die Aktien von Unternehmen investiert. Der ETF ist also erst einmal nichts weiter als ein Konstrukt. Dein Geld „liegt“ also nicht direkt im ETF, sondern vielmehr in den Aktien der Unternehmen, die in diesem ETF enthalten sind.
Aus diesem Grund ist es wichtig, dass wir verstehen, was eine Aktie ist. Nur wenn du verstanden hast, was eine Aktie ist, dann wirst du in der Lage sein, langfristig in deinen ETF zu investieren. Denn das Ziel dieses Artikels ist es, dass du verstehst, in was du investierst. Zudem musst du dich dabei wohlfühlen, und das geht viel besser, wenn du verstehst, in was du investierst.
Auch in diesem Artikel werde ich mich wieder darauf beschränken, dir nur das Notwendige über Aktien zu erzählen. Ich erläutere dir also alles, was du wissen musst, damit du dein Investment verstehst und dich damit wohlfühlst. Wie in jedem anderen Fachbereich auch gibt es hier unzählige Details, die dich aber nicht zum Ziel führen werden. Vielmehr können sie dich sogar bei der Auswahl des passenden ETF´s daran hindern, eine Entscheidung zu treffen, da du vielleicht Angst bekommst, eine falsche Entscheidung zu treffen. Denn umso mehr man weiß, umso mehr muss man die Entscheidung hinterher auch vor sich selber rechtfertigen. Es können dann so Gedanken aufkommen wie, „ich habe es doch gewusst, warum habe ich mich nicht anders entschieden?“.
Genau diese Gedanken vermeiden wir, indem wir uns nur auf das Wesentliche, also das Wichtige konzentrieren.
Fangen wir an.
Um zu verstehen, was eine Aktie ist, macht es am meisten Sinn, dass man verstanden hat, was ein Unternehmen ist. Im Grunde genommen kannst du dir aber schon einmal folgende Kette merken: Unternehmen -> Aktie -> ETF. Daher beginnen wir nun zuerst damit zu erläutern, was ein Unternehmen ist.
Inhalt
- 1. Was ist ein Unternehmen?
- 2. Wem gehören Unternehmen?
- 3. Wem gehört Facebook?
- 4. Ein Aktie ist ein Stück vom Facebook-Kuchen
- 5. Aktie = Kuchen
- 6. Wie entsteht diese Wertsteigerung?
- 7. Das Grundprinzip von Angebot & Nachfrage
- 8. Sommer = Mehr Eis verkaufen vs. Winter = Weniger Eis verkaufen
- 9. Dein Vorteil als Aktienbesitzer bzw. Kuchenesser
- 10. Eigentümer auf Lebenszeit
- 11. Darum ist der ETF so attraktiv
- 12. Der ETF lässt dich ruhig schlafen
- 13. Fazit
Was ist ein Unternehmen?
In unserer modernen Wirtschaftswelt ist ein Unternehmen ein Apparat, in dem sich ein oder mehrere Menschen zusammentun um gemeinsam Gewinn zu erwirtschaften. Die Produkte, die du tagtäglich nutzt, werden alle von sogenannten Unternehmen hergestellt. Der Computerhersteller Apple beispielsweise ist ein Unternehmen.
Mit „zusammentun“ meine ich, dass beispielsweise bei Apple viele Angestellte tagtäglich zusammenkommen, um ihre Arbeitskraft zu erbringen. Zusätzlich gibt es die Führungskräfte sowie die oberen Chefs, die die Richtung des Unternehmens vorgeben. Das bedeutet, die Chefs entscheiden beispielsweise, was genau produziert wird (im Falle von Apple also z. B. entweder ein neues Modell des iPhone oder aber ein neues Modell des MacBook). Die Angestellten sind dann diejenigen, die diese Vorgaben umsetzen. Die Angestellten kümmern sich also um das neue Design des iPhone oder programmieren die Software.
In unserem Zusammenhang ist nun die folgende Frage interessant: Wem gehört jetzt eigentlich dieses Unternehmen? Wem gehört Apple? Gehört es zu 50% den Angestellten und zu 50% den oberen Chefs? Oder gehört es zu 100% dem obersten Chef?
Wem gehören Unternehmen?
Wenn man von großen Unternehmen hört, dann hört man meistens lediglich die Worte des obersten Chefs, also des sogenannten CEO´s. Der CEO ist immer der oberste Chef des Unternehmens. Für Facebook ist das beispielsweise Mark Zuckerberg und für Tesla ist das Elon Musk. Da man die überwiegende Zeit in den Medien ausschließlich diese Personen in Zusammenhang mit dem jeweiligen Unternehmen sieht, könnte man meinen, dass Facebook Mark Zuckerberg und das Tesla Elon Musk gehört. Diese Annahme ist jedoch falsch.
Eine weitere Klarstellung: Facebook gehört ebenfalls nicht den Angestellten. Und das bringt jetzt vielleicht etwas Verwirrung ins Spiel. Denn wenn Facebook weder Mark Zuckerberg noch den Menschen die dort arbeiten gehört, wem soll das Unternehmen denn bitteschön dann gehören? Das Unternehmen kann doch niemandem gehören, der damit gar nichts zu tun hat. Oder doch?
Jetzt nähern wir uns langsam dem Punkt, indem unsere Aktien ins Spiel kommen. Stell dir Facebook als einen runden Kuchen vor. Dieser Kuchen wird jetzt in 12 Teile geschnitten. Anschließend könnte man die einzelnen Stück an 12 verschieden Personen verteilen. Der Kuchen gehört nun somit 12 verschiedenen Menschen. Jeder Mensch besitzt nun einen Anteil an dem vormals vollständigen Kuchen.
Der Mensch, der jetzt in dem Besitz von diesem einen Anteil an Kuchen ist, kann das Stück Kuchen nun beispielsweise aufessen. Die Person kann das Stück Kuchen aber auch verschenken. Es gibt aber auch noch eine dritte Möglichkeit, und die möchte ich nun vorstellen. Die Person kann das Recht an dem Stück Kuchen an eine andere Person übertragen. Beispielsweise kann die Person mittels eines Dokumentes oder eines Vertrages einer anderen Person die Erlaubnis erteilen, den Kuchen zu verzehren oder den Kuchen zu verschenken. Das bedeutet, die Person die vormals das Stück Kuchen besessen hat, überträgt nun das Recht an diesem Anteil auf eine andere Person. Es wird also sozusagen eine Vollmacht ausgestellt. Diesen Begriff hast du bestimmt schon mal gehört. Vollmacht bedeutet schlicht und ergreifend, dass du einer anderen Person ein Recht von dir überträgst.
Wem gehört Facebook?
Und jetzt verrate ich dir, was Facebook 2012 gemacht hat. Bis 2012 hat Facebook ein paar wenigen Menschen gehört. Also den obersten Chefs. Bzw. um ganz vorne anzufangen: Als Facebook 2004 gegründet wurde, da gehörte es Mark Zuckerberg und Eduardo Severin. Bis 2012 kamen dann noch ein paar Leute dazu. Aber die Anzahl der Menschen, denen Facebook gehörte, war immer noch recht überschaubar. Man spricht bei diesen Menschen auch von Eigentümern. Wenn du z. B. in einem abbezahlten Haus wohnst, dann bist du Eigentümer dieses Hauses. Dir gehören dann 100% von deinem Haus. Verständlich, oder?
Und jetzt verrate ich dir, was 2012 mit Facebook passiert ist. Bis 2012 gehörten wie bereits erwähnt lediglich ein paar Leuten die ganzen 100% von Facebook. Im Jahr 2012 haben sich diese Eigentümer dann entschieden, dass sie nur noch 10% von Facebook haben wollen. Die restlichen 90% haben sie an wildfremde Menschen verteilt. Jetzt denkst du vielleicht, dass ich dich veräppeln möchte. Aber wenn du weiterliest, dann wirst du verstehen, dass das wirtschaftlich und finanziell gesehen damals eine sehr gute Entscheidung war, die 90% zu verteilen.
Und hier ist, was Facebook konkret gemacht hat: Facebook hat die 90% seines Unternehmens in 2 Mrd. Stücke aufgeteilt. Wir erinnern uns: Oben haben wir einen Kuchen in 12 Stücke aufgeteilt und diese Stücke dann an 12 Personen verteilt. Facebook hat 90% seines „Kuchens“ in 2 Mrd. Stücke unterteilt.
Das bedeutet aber nicht, dass sie dann ein Stück an jeweils nur eine Person gegeben haben. Als die 2 Mrd. Stücke da waren, konnte jeder Mensch da draußen (also auch du und ich) sich beliebig viele Stücke kaufen. Im Jahr 2012 hat eins von diesen Stücken ca. 20€ gekostet. Also etwas teurer als ein Stück Kuchen. Jetzt stand es jedem Menschen frei, sich lediglich ein Stück für 20€ oder z. B. 15 Stücke für 300€ zu kaufen. Jemand, der ganz viel Geld hat, hätte sich theoretisch auch die 2 Mrd. Stücke kaufen können. Das hätte dann allerdings 40 Mrd. € gekostet (20€ * 2 Mrd. Stücke). Wie gesagt, theoretisch und praktisch möglich, aber das ist nicht passiert.
Ein Aktie ist ein Stück vom Facebook-Kuchen
Vielmehr haben sich unzählige Menschen auf der ganzen Welt (also schätzungsweise mehrere 100.000 Menschen) ein paar Stücke zu einem Preis von 20€ gesichert. Und diese Stücke, von denen ich hier die ganze Zeit schreibe, genau das sind Aktien. Eine Aktie ist ein Stück an einem Unternehmen. Bzw. um es ganz kurz juristisch korrekt und etwas formal auszudrücken: Eine Aktie verbrieft einen gewissen Anteil an „Recht“ an einem Unternehmen. Vergiss diesen Satz vielleicht besser wieder. Wir sind schließlich keine Juristen. Merke dir: Eine Aktie ist wie ein Stück Kuchen. Also ein Anteil von etwas was vormals ganz war.
Nochmal etwas beispielhaft erklärt: Es gab mal einen Kuchen, der war rund und fertig gebacken. Dann schnitt jemand diesen Kuchen in 12 Stücke und verteilte die Stücke an ein paar Menschen, die Bedarf nach diesem Kuchen hatten. Und im Jahr 2012, als Facebook sozusagen fertig gebacken war, wurde dieses Unternehmen in 2 Mrd. Stücke geschnitten. Diese Stücke wurden dann an alle Menschen, die Bedarf daran hatten, Eigentümer von Facebook zu werden, verteilt.
Und hier kommt wieder unser Eigentümer ins Spiel. Du erinnerst dich, dass ich oben geschrieben habe, dass jemand, der in seinem eigenen abbezahlten Haus wohnt, dann Eigentümer dieses Hauses ist. Ich weiß, es klingt etwas verrückt, aber die Wahrheit ist, dass wenn du damals ein Stück von diesen 2 Mrd. Stücken erhalten hast, dass du dadurch Eigentümer von Facebook wurdest. Man muss sich das mal bildlich vorstellen: Da ist ein Unternehmen in den USA, welches sich 2004 gründet und 2012 aufgeschnitten wird. In diesen acht Jahren hast du wahrscheinlich lediglich die Dienste von Facebook genutzt oder hast nur die Entwicklung des Unternehmens in den Nachrichten verfolgt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit hast du aber nicht aktiv an dem Unternehmen mitgearbeitet. Und dann 2012, ohne dass du vorher eine direkte Verbindung zu dem Unternehmen hattest, bist du auf einmal Eigentümer. Kann das legal sein?
Ja. Das war damals alles legal und das ist auch heute noch alles legal. Deswegen schreibe ich hier ja so ausführlich darüber. Denkst du wirklich, ich „verrate“ hier irgendwelche geheimen illegalen Tricks, die mich ins Gefängnis bringen könnten?
Aktie = Kuchen
Ich hatte geschrieben, dass im Jahr 2012 ein Stück „Facebook-Kuchen“ 20€ gekostet hat. Dieses eine Stück „Facebook-Kuchen“ ist eine sogenannte Aktie. Und deswegen spreche ich ab jetzt nur noch von Aktie und nicht mehr von Kuchen. Merke dir einfach: Eine Aktie ist ein Stück vom Kuchen.
Springen wir kurz in die Gegenwart, dann stellen wir fest, dass die Aktie von Facebook nicht mehr 20€ kostet. Tatsächlich kostet sie im Jahr 2025 ca. 600€.
Nanu, was ist denn da passiert? Diese 100.000 neuen Eigentümer, die 2012 dazukamen, die müssen in den vergangenen 13 Jahren ja richtig rangeklotzt haben und geschuftet wie die Sau. Die müssen doch wie blöd geackert haben, denn wie sonst konnte dieses Ding, diese Aktie, denn so stark im Wert steigen? Ist doch schließlich eine Leistungsgesellschaft hier, also können Dinge doch nur im Wert steigen, wenn richtig was geleistet wurde. Oder?
Ja und Nein. Was ich dir mit Sicherheit sagen kann, ist, dass der Großteil dieser 100.000 neuen Eigentümer nichts geleistet hat. Es klingt lustig, traurig, unvorstellbar oder für den ein oder anderen auch nachvollziehbar. Aber der Punkt ist, dass ich mir 2012 für 20€ eine Aktie von Facebook hätte kaufen können und mich dann für 13 Jahre in eine einsame Hütte ohne Internetanschluss in den Regenwald am Amazonas hätte zurückziehen können. Ich hätte in den ganzen 13 Jahren auf Deutsch gesagt keinen Finger krumm machen müssen. Meine Aktie wäre heute trotzdem (bzw. die Realität ist ja, sie ist heute) 600€ wert. Ganz ohne mein Zutun. Ganz ohne, dass ich dafür etwas hätte leisten müssen. Und das obwohl ich Eigentümer des Unternehmens bin.
Wie entsteht diese Wertsteigerung?
Wie kann jemand, der Eigentümer eines Unternehmens ist, sich für 13 Jahre lang auf die faule Haut legen und dann etwas, was er mal für 20€ gekauft hat, nun für 600€ verkaufen? Das kann doch bei bestem Willen nicht funktionieren.
Doch. Es funktioniert. Es funktioniert wahnsinnig prächtig. Und das Tolle daran ist, dass die ganze Geschichte bis hierhin immer noch vollkommen legal ist. Kleiner Spoiler: Sie wird auch legal bleiben.
Aber irgendjemand muss doch in der Zeit geschuftet haben. Richtig. Ich habe ja oben geschrieben „Ja“ und „Nein“. Mit „Nein“ meinte ich mich als Eigentümer. Ich habe wie gesagt nichts zum Unternehmenserfolg beigetragen. Ich war ja 13 Jahre lang in meiner einsamen Hütte am Amazonas.
Vollkommen richtig ist aber, dass hier irgendjemand (oder besser gesagt eine Vielzahl von irgendjemand) in den letzten 13 Jahren ordentlich was „gemacht“ haben muss. Hier gibt es mehrere Gruppen. Zum einen sind da die Angestellten. Diese haben die Dienstleistung von Facebook jeden Tag ein Stück „besser“ gemacht. Mit „besser“ meine ich nicht, dass Facebook ethisch oder moralisch gesehen besser wurde. Mit „besser“ meine ich, dass das Unternehmen mehr Kunden gewonnen hat, einen größeren Markt erschlossen hat und Produkte mit echtem Mehrwert anbietet. Was ich dir an dieser Stelle ganz eindeutig sagen muss, ist: Es ist in diesem Zusammenhang vollkommen zweitrangig, ob du persönlich Facebook „gut“ oder „schlecht“ findest, ob du das Unternehmen „magst“ oder „nicht magst“, ob du die Produkte „blöd“ oder „cool“ findest. Fakt ist, dass Facebook das geschaffen hat, wovon jedes Unternehmen auf dieser Welt jeden Tag träumt: Facebook hat Mehrwert geschaffen. Du kannst gerne deine eigene Meinung zu dem Unternehmen haben. Aber für ca. 4 Mrd. Menschen auf diesem Planeten schafft dieses Unternehmen einen Mehrwert.
Das ist wie gesagt nicht meine Meinung, sondern das ist ein Fakt. Das ist eine rein wirtschaftliche und eine rein finanzielle Betrachtung. Facebook ist kurz gesagt ein wahnsinnig erfolgreiches Unternehmen. Dadurch, dass das Unternehmen so viel Mehrwert geschaffen hat, hat das Unternehmen immer mehr Geld verdient. Du wirst das wahrscheinlich nachvollziehen können. Wenn mal als Unternehmen immer mehr Kunden gewinnt, wenn man immer größere Märkte erschließt und zusätzlich noch immer bessere Produkte anbietet, dann verdient man automatisch mehr Geld. Und wenn ein Unternehmen mehr Geld verdient, dann wird das Unternehmen in sich automatisch mehr wert. Und wenn das Unternehmen mehr wert wird, dann wird natürlich automatisch auch die Aktie mehr wert. Denn die Aktie ist ja ein Anteil an diesem Unternehmen.
Die Rechnung ist also recht einfach: Unternehmen mehr wert -> Aktie mehr wert.
Um diese Wertsteigerung nochmal mit anderen Worten auszudrücken: Im Jahr 2012 haben 100.000 Menschen Aktien von Facebook gekauft. Diese haben darauf spekuliert, dass das Unternehmen in den nächsten Jahren Mehrwert schaffen wird. Sie haben also darauf spekuliert, dass das Unternehmen in der Zukunft „besser“ ist als jetzt.
Und tatsächlich ist in den Jahren nach 2012 der Preis der Aktie langsam aber konstant leicht gestiegen. Das haben dann natürlich viele andere Menschen bemerkt und sich deswegen dann dazu entschieden, sich ebenfalls Aktien von Facebook zu kaufen. Und so wurden in den weiteren Jahren immer mehr Käufe getätigt. Und das Wichtigste hierbei ist: Es wurden mehr Käufe als Verkäufe getätigt.
Du siehst nun, neben den Angestellten haben also auch die ganzen Käufer der Aktien dazu beigetragen, dass Facebook im Laufe der Jahre immer mehr wert wurde. In dem Zusammenhang hast du vielleicht schon einmal von dem Prinzip „Angebot & Nachfrage“ gehört. Es besagt, dass etwas, was viele Menschen wollen, attraktiver ist als etwas, was nicht so viele Menschen wollen. Diese Attraktivität sorgt dann für einen höheren Preis.
Stell dir das einfach bildlich vor: Du bist in einer fremden Stadt und benötigst ein Hotelzimmer. Das eine Zimmer ist etwas dreckig, sehr klein und zudem an einer lautbefahrenen Straße. Das andere Zimmer ist groß, geräumig, sehr sauber und sehr leise. Welches Zimmer empfindest du als attraktiver?
Das Grundprinzip von Angebot & Nachfrage
Du wirst nun leicht nachvollziehen können, dass man für das große, geräumige, saubere und leise Zimmer mehr Geld verlangen kann als für das andere Zimmer. Wenn nun in der Stadt ein besonderes Event stattfindet (z. B. ein Konzert eines Weltstars oder eine bedeutende Messe), dann wird die Nachfrage nach Hotelzimmern wahrscheinlich steigen. Und dies sorgt dann automatisch dafür, dass der Preis eines einzelnen Zimmers steigen wird. Der Preis wird solange steigen, bis ein gewisses Gleichgewicht erreicht ist. Das bedeutet, dass nun in etwa all diejenigen, die ein Zimmer haben wollen, sich das nun auch leisten. Falls der Preis ab diesem Punkt noch weiter steigt, die Hotelbesitzer also den Preis noch weiter anheben, dann wird es den Käufern zu teuer und sie ziehen sich zurück. Sie übernachten dann bei Freunden anstatt im Hotelzimmer oder nehmen spätabends noch einen Zug nach Hause. Die Nachfrage nimmt also ab. Bzw. das Hotelzimmer wird unattraktiv.
Und diese Unattraktivität sorgt für einen fallenden Preis. Der Preis wird dann wieder so lange fallen, bis ein Niveau erreicht ist, welches von vielen Menschen als so günstig empfunden wird, dass sie wieder zuschlagen. Die Nachfrage erhöht sich demzufolge wieder, und der Preis fängt wieder an zu steigen.
Dieser Kreislauf findet im Wirtschaftsleben tagtäglich statt. Das ist, wie unser kapitalistisches System funktioniert. Produkte und Dienstleistungen kommen auf den Markt und müssen sich diesem Prinzip stellen. Wenn niemand mein Produkt oder meine Dienstleistung will (-> keine Nachfrage), dann werde ich am Markt nicht bestehen. Wenn viele Menschen mein Produkt oder meine Dienstleistung möchten (-> hohe Nachfrage), dann werde ich am Markt bestehen und mein Unternehmen wird im Laufe der Zeit mehr wert. Dieses Prinzip ist weder moralisch verwerflich noch unsozial. Das ist schlicht und ergreifend „normal“.
Sommer = Mehr Eis verkaufen vs. Winter = Weniger Eis verkaufen
Zwei bessere Beispiele: Im Sommer möchte jeder Mensch Eis essen. Also werden im Sommer Eisbudenbesitzer am Markt „bestehen“. Ab dem Jahr 2008 wollte jeder zweite Mensch auf diesem Planeten ein iPhone haben. Also konnte Apple am Markt „bestehen“.
Sowohl der Eisbudenbesitzer als auch Apple befriedigen ein Bedürfnis. Und dafür werden sie finanziell belohnt. Deswegen ist der Preis einer Aktie von Apple heutzutage so hoch. Nämlich weil das Unternehmen Produkte herstellt, die eine Vielzahl von Menschen auf diesem Planeten haben möchte.
Wäre der Eisbudenbesitzer eine Aktiengesellschaft, dann würde in den Monaten kurz vor dem Sommer die Aktie wahrscheinlich steigen und im Spätsommer die Aktie wieder fallen. Kurz vor dem Sommer würden Menschen davon ausgehen, dass es dem Unternehmen im Sommer ja gut gehen wird, weil es dann viel Eis verkaufen wird. Also kaufen sie sich schnell die Aktie. Denn die Menschen gehen davon aus, dass wenn es dem Unternehmen gut geht (also im Sommer), dann wird auch die Aktie steigen. Deswegen kaufen sie die Aktie kurz vor dem Sommer „günstig“ ein und verkaufen sie dann im Sommer „teurer“. Sie verkaufen die Aktie im Sommer, weil sie registrieren, dass in ein paar Monaten der Winter bevorsteht. Die Menschen gehen dann davon aus, dass der Eisbudenbesitzer dann wahrscheinlich nicht so viel Eis verkaufen wird wie im Sommer. Sie gehen daher davon aus, dass es dem Unternehmen im Winter eher nicht so gut gehen wird. Wie wir wissen, fällt der Preis einer Aktie, wenn Menschen davon ausgehen, dass es dem Unternehmen in Zukunft nicht gutgehen wird. Also verkaufen die Menschen im Spätsommer die Aktie wieder, da sie davon ausgehen, dass der Preis der Aktie in ein paar Monaten (also im Winter) niedriger sein wird.
Ist das dieser böse Kapitalismus, in dem die Eigentümer sich zurücklegen können während die Angestellten schuften?
Nicht ganz. Denn wie oben bereits beschrieben wurden damals ja lediglich 90% von Facebook auf die Allgemeinheit verteilt. 10% von Facebook blieb bei den ursprünglichen Eigentümern. Diese ursprünglichen Eigentümer mussten im Gegensatz zu mir tatsächlich hart schuften.
Dein Vorteil als Aktienbesitzer bzw. Kuchenesser
Und vielleicht erkennst du jetzt so langsam den wahnsinnig großen Vorteil, welchen du hast, wenn du im Besitz einer Aktie bist. Durch ein Investment in Aktien hast du die Chance, dass du Geld verdienst, ohne dafür im herkömmlichen Sinne zu arbeiten. Kannst du mir ein weiteres Beispiel geben, wo es das sonst noch gibt?
Klar, es gibt noch ein paar Alternativen wie Kryptowährungen oder Investitionen in Rohstoffe, z. B. Gold. Aber dann hört es schon langsam auf. Immobilien? Hast du schon einmal einen Immobilieninvestor getroffen, der sich eine Immobilie gekauft hat, sich dann zehn Jahre lang um nichts mehr kümmern musste und diese Immobilie dann mit Gewinn verkauft hat? Selbst die besten Investoren welche über eine ausgezeichnete Hausverwaltung verfügen müssen die laufenden Einnahmen in ihrer Steuerklärung berücksichtigen und von Zeit zu Zeit mit der Hausverwaltung über gewisse Dinge Rücksprache halten.
Und was ich dir wieder mit Sicherheit sagen kann ist, dass die wenigsten Immobilieninvestoren über eine absolut fehlerfrei arbeitende Hausverwaltung verfügen. Und der absolute Großteil an Immobilieninvestoren hat überhaupt gar keine Hausverwaltung, sondern muss sich selbständig darum kümmern, dass Handwerker entsprechende Reparaturen durchführen und dass neue Mieter gefunden werden. Verstehst du jetzt langsam, warum ich in Aktien investiere?
Eine Aktie kann ich innerhalb von zwei Minuten sowohl kaufen als auch verkaufen. Ich weiß es klingt etwas skurril, aber es ist tatsächlich heutzutage so, dass ich um 14:00 Uhr eine Aktie kaufen kann, dann für zwei Minuten Eigentümer dieses Unternehmens bin und diese Aktie dann um 14:02 Uhr wieder verkaufen kann. Für zwei Minuten war ich Eigentümer eines Unternehmens. Und ich rede hier nicht vom Zwei-Mann-Betrieb um die Ecke. Ich rede von Unternehmen wie Facebook und Apple. Also den größten und wertvollsten Unternehmen dieses Planeten. Es ist heutzutage tatsächlich so, dass ich für wenige Sekunden oder für wenige Minuten Eigentümer dieser Unternehmen sein kann. Diesen Punkt muss ich aber nicht weiter ausführen, denn genau das machen wir bei unserem ETF ja nicht. Bei unserem ETF machen wir vielmehr genau das Gegenteil. Wir kaufen eine Aktie (wir werden also Eigentümer eines Unternehmens) und behalten diese dann. Wie lange? Willst du die Antwort wirklich hören?
Eigentümer auf Lebenszeit
Im besten Fall behalten wir die Aktie für immer. Bzw. zumindest solange bis wir in Rente gehen. Da wir jedoch nicht damit planen, unseren ETF bei Eintritt in die Rente komplett zu verkaufen werden wir die Aktie also wahrscheinlich noch etwas länger behalten. Das heißt, solange du deinen ETF nicht vollständig verkaufst, solange wirst du noch im Besitz von Aktien sein.
Und jetzt verstehst du auch was ich damit meine wenn ich sage „im besten Fall“. Denn im besten Fall benötigst du dein Erspartes aus deinem ETF nicht vollständig. Das heißt also, im besten Fall behältst du einen Teil deiner Aktien für immer. Das bedeutet schlicht und ergreifend, dass du es dir leisten kannst, deine Aktien nicht zu verkaufen. Du kannst es dir im besten Fall leisten, deinen Aktien weiterhin die Chance zu geben, sich im Wert zu vermehren.
Darum ist der ETF so attraktiv
Und daher stelle ich dir nun einen weiteren riesigen Vorteil vor, welchen du hast, wenn du in einen ETF investierst. In einem ETF werden die „schlechten“ Unternehmen nach einer gewissen Zeit von „guten“ Unternehmen abgelöst. Das heißt konkret, der ETF verkauft die Aktien des schlechten Unternehmens (anders gesagt: das schlechte Unternehmen fliegt raus) und kauft dafür die Aktien eines besseren Unternehmens. Wie definiert sich hier gut und schlecht?
Das wird zum einen daran bemessen, wie viel die Aktie gehandelt wird. Wenn eine Aktie sehr viel gehandelt wird, dann geht der Anbieter des ETF davon aus, dass diese Aktie attraktiv ist. Eine Aktie, die wenig gehandelt wird, scheint das Interesse der Mehrheit verloren zu haben und erscheint aus diesem Grund unattraktiv. Diese Aktie ist also dann ein potentieller Verkaufskandidat.
Zusätzlich wird aber auch berücksichtigt, wie viel das Unternehmen an der Börse momentan wert ist. Ein Unternehmen, was viel wert ist, wird eher im ETF bleiben dürfen als ein Unternehmen, welches an der Börse weniger wert ist. Das Gute an diesem Prozedere ist, dass wir uns durch diesen Mechanismus davor schützen, dass unser ETF mit schlechten Unternehmen „zugemüllt“ wird. Der Anbieter des ETF ist hier knallhart und handelt nach einem reinen wirtschaftlichen Prinzip. Und dieses Prinzip besagt: Was gut ist bleibt drin und was schlecht ist fliegt raus. Klingt hart, ist im Grunde genommen aber fair.
Und vor allem wirst du es wahrscheinlich dann nicht mehr als hart empfinden, wenn du dir bewusst wirst, dass du in diesen ETF dein Geld investiert hast. Um dieses Bild besser zu verinnerlichen denke vielleicht mal kurz über die Antwort auf folgende Frage nach: Wirst du lieber von einem guten Arzt operiert oder lieber von einem schlechten? Willst du also, dass der Anbieter vom ETF das Richtige tut, oder wäre es dir lieber, der Anbieter vom ETF sitzt bei einem Unfall still daneben und schaut nur zu?
Obwohl das Wort „Unfall“ an dieser Stelle eigentlich nicht passend ist. Denn ein Unfall ist ja etwas Außergewöhnliches. Etwas, das im Normalfall nicht passieren sollte. Bezogen auf unser ETF-Investment ist es hingegen völlig normal, dass Unternehmen in den ETF aufgenommen werden und aus diesem wieder verschwinden. Die Welt ist nun Mal dynamisch und eben nicht statisch. Das bedeutet: Die Welt ist in Bewegung und verändert sich. Und mit ihr ändern sich die Märkte, ändern sich die Unternehmen, ändern sich Angebot & Nachfrage, ändern sich das Bewusstsein und das Verhalten der Kunden.
Der ETF lässt dich ruhig schlafen
Und auf all diese Veränderungen reagiert der ETF, in dem er die guten Unternehmen im ETF drin belässt und die schlechten aussortiert. Mit der angesprochenen „Härte“ meine ich also eher „Entscheidungsstärke“. Aus diesem Grund habe ich meinen ETF-Sparplan bei einem Anbieter, bei dem ich ohne jeden Zweifel davon ausgehe, dass er über eine gewisse Entscheidungsstärke verfügt und dafür sorgt, dass innerhalb des ETF´s alles in geordneten Bahnen läuft.
Stell dir den Anbieter vom ETF wie einen Kindergärtner vor: In einem Raum sind 20 Kinder, die toben und teils friedlich, teils aber auch lautstark miteinander spielen. Ob friedlich, ob laut, das ist alles in Ordnung, so lange ein paar Regeln eingehalten werden. Und diese Regeln muss jemand überwachen und bei Nichtbeachtung entsprechend durchgreifen.
Genau das und nichts Anderes macht der Anbieter des ETF. Er sorgt innerhalb des ETF schlicht und ergreifend für Ruhe. Bezogen auf den ETF ist es also erstmal grundsätzlich in Ordnung, wenn ein Unternehmen in den Nachrichten hohe Aufmerksamkeit erhält (bezogen auf den Kindergarten: das Kind schreit rum.). Kinder im Kindergarten dürfen laut sein. Grundsätzlich gibt es erst einmal keinen Grund, ein lautes Kind ständig zu ermahnen bzw. es am laut sein zu hindern.
Und genauso ist es grundsätzlich erstmal in Ordnung, wenn ein Unternehmen wie z. B. Tesla in einem überdurchschnittlichen Maße mediale Aufmerksamkeit erhält. Problematisch wird es erst dann, wenn diese erhöhte Aufmerksamkeit nicht mehr mit der wirtschaftlichen Entwicklung (oder besser und genauer gesagt: mit der „erwarteten“ wirtschaftlichen Entwicklung) des Unternehmens in Einklang steht. Dann muss durchgegriffen werden.
Wieder zurück zum Kindergarten: Ein lautes Kind ist okay. Problematisch wird es dann, wenn das Kind anfängt andere Kinder zu beschimpfen oder zu treten. Ab diesem Zeitpunkt kann man sich wahrscheinlich einig darüber sein, dass irgendetwas aus dem Ruder gelaufen ist. Folgerichtig muss schlicht und ergreifend durchgegriffen werden. Es muss gehandelt werden.
Fazit
Du hast nun grundsätzlich verstanden, was eine Aktie ist. Merke dir einfach: Aktie = Teil vom Kuchen. Der Kuchen ist das Unternehmen, in das du investierst. Bei unserem Investment gehen wir davon aus, dass dieses Unternehmen in der Zukunft mehr wert ist als heute. Wie dieser Mehrwert entsteht habe ich oben beschrieben.
Das Besondere am ETF ist, dass wir nicht in eine einzelne Aktie bzw. nur ein einzelnes Unternehmen investieren, sondern in sehr sehr viele. Dadurch ist es gar nicht schlimm, wenn ein einziges Unternehmen in der Zukunft weniger wert ist. Die Hauptsache ist, dass in Summe mehr Unternehmen mehr wert werden. Dann verdienen wir mit unserem Investment Geld.
Den Vorgang, dass man bei einem ETF immer in mehrere Unternehmen anstatt in ein einziges Unternehmen investiert, nennt man Diversifikation. Was das genau bedeutet, erkläre ich dir hier.

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